ReiseBuch-Vorstellung

Gang nach Canossa: Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer

 

Dennis Gastmann, unser wandernder Held: Viele kennen ihn in  seiner Rolle als schüchterner Weltreporter des NDR, der oft die letzten paar Sätze der Antwort seines Interviewpartners wiederholt und dadurch in den Gedanken seiner Zuschauer nachklingen lässt.

 

 

Aber nach der Lektüre dieses Buches komme ich zu dem Schluss: Der Mann hat viel mehr drauf, als nur in gefühlten 10-minütigen Sequenzen mehr oder weniger merk- und denkwürdige Zeitgenossen rund um den Erdball zu interviewen. Endlich mal eine Geschichte mit definiertem Anfang und definiertem Ende, die Story um die Nachfolge des - wie man im Geschichtsunterricht lernte - bussfertigen Heinrich IV., der uns unfreiwilligerweise die Redewendung des "Ganges nach Canossa" lieferte.

 

"Canossa": Was ist das eigentlich, wurde ich kürzlich gefragt. Dem Frager war dieses Wort bzw. diese Redewendung bisher noch nicht untergekommen. Warum auch! Doch Wikipedia lehrt uns, dass "im heutigen Sprachgebrauch  bisweilen auch ein als erniedrigend empfundener Bittgang im übertragenen Sinne als ein „Gang nach Canossa“ bezeichnet wird." Und dieser Bittgang hat auch historische Wurzeln, denn Wikipedia lehrt uns weiterhin, dass "man als *Gang nach Canossa* den Italienzug König Heinrichs IV. vom Dezember 1076 bezeichne". Jener König wollte dadurch die Vereinigung von Papst Gregor VII. mit den deutschen Fürsten (Fürstenopposition) verhindern. Papst Gregor VII. befand sich auf dem Weg nach Augsburg, wohin er für Februar 1077 zur Wahl eines neuen Königs eingeladen war. So weit Wikipedia.

 

Gastmann hat in seinem jüngsten Druckwerk alles eingebaut, was in ein Pilger- und Selbsfindungsbuch gehört: Einen Anlass (für die Sünden in seiner Ahnenlinie und einer Seitenlinie zu büßen, ich sach mal "Wulff"), die nötige Plackerei - bis zum Zusammenbruch, die belohnenden Abschnitte, die überraschenden, die glückhaften und auch weniger glückhaften Begegnungen unterwegs, und den Humor nicht zu vergessen.

 

Kein Zweifel, der Mann hat seine Reise gut geplant, was seine Kleidung angeht, doch muss er natürlich so tun, als wäre er nicht als Weltreporter durch viele Erfahrungen gegangen und würde die Kunst der Recherche nicht beherrschen. So versucht er uns weiszumachen, dass er sich über den richtigen Alpenübergang keine Gedanken gemacht hat und er erst von unterwegs durch das verzweifelte Schreiben von vielen Emails einen kundigen Bergführer vom Bodensee anbohrt, der ihm da weiter hilft. Und er macht uns weiterhin weis, dass er sich dessen nicht bewusst ist, dass zum Zeitpunkt seines Eintreffens an den Alpen diese witterungstechnisch nicht unbedingt zu einem Fußmarsch zur Überquerung einladen.

 

Aber das gehört zur Dramaturgie, das hat der Journalist gelernt und baut es geschickt ein, auch seine Beichte, in der er sein (vermeintlich) Innerstes dem Leser zur Durchsicht vorlegt. Schlauer Kerl! Auch das gehört dazu, da fiebert man mit, auch bei seinem Blackout unterwegs und bei seinen - recht nahen - Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern in patschnasser Witterung, die viel besser geschützt sind als er, der Fußgänger.

 

Mehr könnte ich, will ich aber nicht berichten über dieses tolle Buch, sonst kauft es ja keiner mehr. Und Erfolg will man dem tapferen Weltreporter wünschen, damit in Bälde auch ein nächstes Buch auf den Markt kommt - und wie durch ein Wunder der Tinnitus verfliegt.

 

Gang nach Canossa: Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer [Gebundene Ausgabe] von "Weltreporter" Dennis Gastmann

Kostenloser Versand bis in den heimischen Briefkasten

 

 

 

Buchbesprechung zuerst erschienen im wöchentlichen  ReiseNewsletter ReiseJournal: ReiseNews und ReiseBerichte (gratis und kostenlos)

 

 

 

 

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