"Nackte Tatsachen" können für den Reiseveranstalter teuer werden

Wenn der Hotelier FKK-Praktiken in seiner Anlage duldet

Duisburg (ots) - 

 

   Die Unterbringung in einer Hotelanlage, in der FKK praktiziert 
wird, kann einen Reisemangel darstellen. Darauf weist Rechtsanwalt 
Thomas Allgaier von der Onlineplattform ferienretter.de hin. In einem
konkreten Fall musste der Reiseveranstalter einem Ehepaar deshalb 
nicht nur den Reisepreis erstatten, sondern zusätzlich auch einen 
Schadensersatz zahlen. Das Paar hatte sich an zu vielen "nackten 
Tatsachen" in dem Hotel gestört und deshalb geklagt.

   Was war passiert? Der vor Gericht klagende Gast hatte gemeinsam 
mit seiner Ehefrau eine zweiwöchige Reise nach Kuba gebucht. Das Paar
hatte die gebuchte Hotelanlage dann vorzeitig verlassen und war 
zurückgereist, weil die Unterbringung in einem Hotel erfolgte, in dem
FKK praktiziert und dies von der Hotelleitung geduldet wurde. In den 
Prospekten hatte ein Hinweis auf FKK gefehlt.

   Das Ehepaar hat deshalb wegen Reisemängeln von dem 
Reiseveranstalter die teilweise Rückzahlung des Reisepreises in Höhe 
von mehr als 5.600 EUR, sowie weitere Schadensersatz- und 
Entschädigungsforderungen wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in 
Höhe von rund 1.000 EUR verlangt.

   Das Oberlandesgericht (OLG) gab - wie schon das Landgericht in der
Vorinstanz - dem Ehepaar Recht und erkannte auf einen Reisemangel. 
Das OLG führt unter anderem in seiner Begründung aus: "Danach ergeben
sich weder aus dem Reiseprospekt, noch aus den überreichten 
Reiseunterlagen, dass die Gäste in der vom Kläger gebuchten 
Ferienanlage Freikörperkultur praktizieren; der Kläger wurde hierauf 
auch nicht anderweitig hingewiesen. Zutreffend hat das Landgericht 
darauf abgestellt, dass es sich bei in einer Hotelanlage 
praktizierter Freikörperkultur um eine sehr spezielle Form der 
Urlaubsgestaltung handelt, die nicht üblich und bei der Buchung eines
insoweit nicht speziell ausgezeichneten Hotels auch nicht zu erwarten
ist. Das Praktizieren von Freikörperkultur vermag durchaus das 
Ästhetik- und Schamempfinden und damit die Urlaubsfreuden anderer 
Reisender erheblich beeinträchtigen. Es entspricht jedenfalls auch 
heute noch nicht jedermanns Geschmack, sich in einer derartigen 
Anlage aufzuhalten und fremde nackte Menschen um sich herum zu 
sehen."

   "Die Beklagte als Reiseveranstalterin hat hierfür einzustehen. Es 
ist ausreichend, dass das Praktizieren von Freikörperkultur in der 
gebuchten Ferien-/Hotelanlage von dem dortigen Personal geduldet 
wurde, wie es das Landgericht festgestellt hat. Nach dem vom 
Landgericht festgestellten Sachverhalt kann gerade nicht davon 
ausgegangen werden, dass es sich lediglich um Einzelfälle handelte." 
Dieser Mangel hat die Kläger unter anderem zur sofortigen Kündigung 
des Reisevertrages berechtigt, nachdem eine Umquartierung in ein 
anderes Hotel vom Reiseveranstalter abgelehnt worden ist. So 
entschieden vom Oberlandesgericht Frankfurt am 20.03.2003 - 16 U 
143/02

   Wollen Sie oder Ihre Leser mehr über Reiserechtsentscheidungen 
wissen? Weitere Fragen können kostenlos an den Ferienretter gestellt 
werden. Einfach auf ferienretter.de gehen und Frage stellen. Die 
Antwort kommt innerhalb 24 Stunden vom ferienretter.de-Anwalt Thomas 
Allgaier.

OTS:              alltours flugreisen gmbh

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